Medellín

Medellín

Medellín. Schon beim Namen dieser Stadt denken die meisten von uns an Bürger- und Bandenkrieg, Schießereien rivalisierender Gruppierungen, Drogenkartelle und natürlich vor allem an einen Namen, einen gewissen Pablo E. (An dieser Stelle sei die Serie „Narcos“ empfohlen). Zugegebenermaßen finden auch wir die Geschichte dieser Stadt äußerst spannend und irgendwie faszinierend. Deshalb war klar, wir wollten nach Medellín.

Die Stadt des ewigen Frühlings, wie die Hauptstadt der Bergregion Antioquia auch genannt wird, empfängt uns bei schönstem Wetter und angenehmen, frühlingshaften Temperaturen. Der Flughafen José Maria Córdova liegt etwa 40 Autominuten außerhalb hinter einem Hügel. Die Landschaft ist herrlich grün und beim Herunterfahren hat man einen tollen Blick auf die zweitgrößte Stadt Kolumbiens, mit ihren 3 Millionen Einwohnern. Wir wohnen im Viertel El Poblado. Die Gegend ist entspannt und grün, eher ein Hipster-Viertel und es gibt jede Menge Cafés und Restaurants.

Wir haben uns für eine Free Walking Tour angemeldet – durch die Comuna 13, San Javier. Eine Tour durch ein Armenviertel? Eigentlich seltsam und für unser Gefühl nicht in jedem Fall OK. In Lima wurde dass ebenfalls angeboten, da hätten wir es aber definitiv nicht gemacht! Die Comuna 13 ist stolz auf ihr Viertel und hat sich bewusst für Touristen geöffnet. Noch vor wenigen Jahren wäre es vollkommen undenkbar gewesen, hier herumzulaufen, auch tagsüber. Unser Guide kommt aus diesem Barrio und erzählt uns aus erster Hand wie es war, hier die letzten Jahrzehnte zu leben, oder besser gesagt, zu überleben. Seine Infos sind sehr spannend und detailliert, teilweise auch privat. Die Zeiten waren sehr hart für die Menschen hier, viele Einschusslöcher in den Hauswänden zeugen noch davon, aber wir freuen uns mit ihnen, dass es seit ein paar Jahren aufwärts geht in der Comuna 13 und in ganz Medellin. Diese Tour war eine der interessantesten Erfahrungen, die wir bisher gemacht haben.

Die Stadtregierung hat ein paar clevere Dinge unternommen, um die ärmeren Viertel an den Hügeln in die Gemeinschaft zu integrieren. Mitten durch die Comuna 13 wurde eine Rolltreppe in 6 Stufen gebaut, die etwa 28 Stockwerke überwindet. Die einzige Metro Kolumbiens (übrigens die sauberste, die wir je gesehen haben), hat 3 Seilbahn-Linien. Man könnte denken, es wäre eine Touristenattraktion, aber so erreichen die Menschen aus den Randgebieten einfach viel schneller ihr Ziel. Die Medellíner sind stolz auf die Metro und ihre Stadt, die 2013 zur innovativsten Stadt der Welt gewählt wurde.

Medellín ist seit Jahren im Wandel und die Zeiten des Medellín-Kartells sind vorbei. Auch wenn es laut unserem Guide heute noch wenige Kartelle gibt, hat man sich wohl mit der Regierung arrangiert. Dennoch gehört diese Zeit dazu und da wir neugierig sind, haben wir noch eine private „Don´t say his name“ (Pablo E.) – Tour gebucht. Um es kurz zu machen, diese Tour ist sicher nicht das Highlight in Medellín. Wir besuchten das Monaco Gebäude, in dem er mit seiner Familie gewohnt hat, die Kirche, die er und seine Leute besuchten, um die Kugeln, mit denen die Gegner aus dem Weg geschafft werden sollten, durch ein Bad im Weihwasser zu „segnen“, das Restaurant, in dem danach gegessen wurde, das Haus, in dem er gefasst und erschossen wurde und den Friedhof, auf dem er begraben wurde. Ein ehemaliger Gärtner der Familie E. verdient sich hier ein paar Pesos, indem er Interessierte herumführt. Tatsächlich liegen dort immer frische Blumen. Die meisten Menschen hier distanzieren sich natürlich von Pablo E. Zum einen wegen der grausigen Zeiten und zum anderen, weil sie nicht möchten, dass Touristen nur aufgrund dieser Geschichte Medellín besuchen.

Wir können sagen, Medellín ist eine sehenswerte Stadt und Kolumbianer sind sehr liebe Menschen. Unser Taxifahrer zum Flughafen bestätigt das einmal mehr mit den Worten: „Gracias por visitar mi país“ („Danke, dass ihr mein Land besucht“)

Wir finden: Colombia es muy chévere!

Vlog #13 Medellìn

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